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August 2025

Westfalenpost, 21.08.2025

Kopfüber in eine neue Sportart

Nach Laufen und Bob probiert Annica Deblitz nun Skeleton und gewinnt direkt das erste Rennen

Olpe/Ohlstadt „Wer sich bäuchlings kopfüber auf einen wackligen Schlitten wirft und mit Tempo 130 einen Eiskanal hinabsaust, kann nicht ganz bei Trost sein.“, schrieb die FAZ im Vorfeld der Olympischen Spiele 2010 in Vancouver und gab damit wohl das Meinungsbild so mancher Laien wieder, wenn von der noch jungen Sportart Skeleton die Rede ist.

Im kanadischen Vancouver war die für viele Menschen exotische Sportart zum dritten Mal olympisch. Mit Kerstin Szymkowiak raste eine Sportlerin aus dem Kreis Olpe zu Silber. Daran verschwendet die 22-jährige Annica Deblitz natürlich noch keine Gedanken, aber so ganz aus der Luft gegriffen ist eine Olympiateilnahme 2030 in Frankreich nun doch nicht.

In der beschaulichen Gemeinde Ohlstadt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen stürzte sich die talentierte Sprinterin des Ski-Club Olpe – nein, noch nicht in den Eiskanal, aber auf Schienen einer Außenanlage bergab, die etwa 50 Meter lang ist. Offiziell war das Event ausgeschrieben als „Bayerische Startmeisterschaft Bob und Skeleton“. Der Bob- und Rodelclub Ohlstadt betrieb Werbung mit „Wer hat Lust, mit den Profis anzuschieben und die Sportarten Bob und Skeleton mal auszuprobieren?“ Und Annica Deblitz hatte Lust – und siegte auf Anhieb bei den Damen und konnte sich über 500 Euro Preisgeld freuen.

Vorgeschichte. Die erfolgreiche Startläuferin diverser Olper Staffeln fand Gefallen am Bobsport und heuerte beim BSC Winterberg an, aber „Skeleton war von Anfang an ein Thema“, sagt sie. Ihre körperlichen Voraussetzungen seien für Skeleton besser als für den Bob. „Meine Größe von 1,68 Meter, meine Hebelverhältnisse und mein Gewicht eignen sich eher für Skeleton“, gibt die Umsteigerin die Meinung der Stützpunkttrainer wieder.

Beim Start entwickelt Annica eine enorme Explosivität, und das kommt ihr nun zugute. Die Grundlagen wurden zunächst von Leichtathletik-Landestrainer Dieter Rotter gelegt, nicht nur im Vereinstraining, auch bei Kaderlehrgängen. „Die Beschleunigung ist meine Stärke“, legt sie nach, und daran hat in den letzten zwei Jahren ihr zweiter Trainer Michael Kluge ebenfalls einen großen Beitrag geleistet. Mit ihrer Explosivität als Grundausstattung kann sie eine hohe Anfangsgeschwindigkeit auf die Bahn bringen, und das soll sich in der Zukunft im Eiskanal auszahlen.

In Ohlstadt setzte Annica jetzt eine allererste Duftmarke. Bei diesem ersten Leistungstest auf den Schienen in Ohlstadt blieben die Uhren für sie bei 5,20 Sekunden stehen – Platz eins. Die Zweite benötigte 5,44 Sekunden. Und dann kam die Anfrage der Verantwortlichen: „Du hast Talent und gute Chancen aufs Treppchen.“ Und damit waren nicht nur die Deutschen Meisterschaften gemeint… Annica Deblitz‘ Ohren standen nicht auf Durchzug

Wie sie sich denn so gefühlt habe mit dem Kopf voraus? „Das hat sich überraschend schnell gut angefühlt“, sagt Annica, „ich hatte keine Schwierigkeiten, es hat einfach nur Spaß gemacht.“ Sie spricht natürlich auch von viel Respekt, und doch kommt schon jetzt große Vorfreude auf. Das Potenzial an Adrenalin ist noch nicht ausgeschöpft.

Außer ihren besonderen motorischen Eigenschaften spielt ihr Gewicht von etwa sechzig Kilogramm eine große Rolle. Sie bleibt relativ problemlos innerhalb der Bestimmungen, denn Schlitten (38 Kilogramm) plus Gewicht der Fahrerin dürfen zusammen 102 Kilogramm nicht übersteigen.

Dank all dieser Fakten hat Annica Deblitz Aufnahme gefunden in das Newcomer-Projekt des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD). Innerhalb von vier Jahren sollen Quereinsteiger an den Weltcup herangeführt werden. Offizielle Zentrale Leistungstests sind Voraussetzung für den Aufbau der Karriere. „Wenn die Startzeiten gut sind geht es in den Perspektivkader, dem sich dann der Olympia-Zyklus anschließt. Olympia 2030 in Frankreich, ebenso noch unter Vorbehalt wie 2034 in Salt Lake City. Es darf geträumt werden.

Die gerade frisch examinierte Pflegefachfrau hat große Pläne. Und die sollen Anfang September beim Olympia-Stützpunkt in Kienbaum beginnen. Zehn Tage wird das Trainingslager dauern. Für Annica Deblitz beginnt ein Doppelstart in ein neues Leben: beruflich und sportlich. Viel Glück, immer den Kopf oben hochhalten und nach vorne schauen, die nächste Kurve kommt bestimmt.


Westfalenpost, 06.08.2025

Lea Wiethoff aus Attendorn mischt bei den Größten mit

21-Jährige ist Deutsche Meisterin über 4x100 Meter. Aufsteigerin des Sommers hat sportliche und berufliche Ziele klar abgesteckt

Attendorn/Dresden Als sie nach einem Intensiv-Wochenende am Montagmorgen als Deutsche Meisterin aufwachte, dachte Lea Wiethoff: „Das war ganz cool, einmal oben zu stehen.“ Was da in diesem Sommer über die 21-jährige Medizinstudentin hereingebrochen ist, kann sie selbst kaum fassen: „Im Vorjahr hätte ich von so etwas nur träumen können.“ Aber Träume gehen auch manchmal in Erfüllung, wenngleich der Traum noch lange nicht zu Ende geträumt sein sollte.

Tatort Dresden. Die Crème de la Crème gibt sich im neuen Leichtathletik-Schmuckkästchen der Residenzstadt die Ehre – und mit dabei ist die aus Attendorn stammende Lea Wiethoff. Beim Leichtathletik-Klub aus der Hansestadt hat sie das kleine Einmaleins von der Pike auf gelernt, bevor sie dann in Olpe unter Trainer Dieter Rotter, der das Talent formte, weiter heranreifte. Jetzt machte Lea Wiethoff ihre sportliche Reifeprüfung bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften mit dem Titel in der 4x100-Meter-Staffel. Und es muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

„Erst am Mittwoch vor der DM wurde die Staffel nach dem letzten Training zusammengestellt“, erzählte die Deutsche Meisterin aus Attendorn, „erst da war für mich klar, dass ich laufe. In Leverkusen in einer Staffel zu laufen ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.“ Und dann lief das Quartett des TSV Bayer 04 Leverkusen allen davon wie beispielsweise dem Favoriten LG Stadtwerke München, dem dasselbe Malheur passierte wie der Startgemeinschaft Olpe/Lennestadt: Überlaufen der Wechselzone. Geschlagen auch die hochgehandelten Mädels des Hamburger SV oder der DHFK Leipzig. 44,29 Sekunden benötigten Allegra Hildebrand, Lea Wiethoff, Amelie Dierke und Marlene Meier bis zum Ziel ihrer Träume – 15/100 Sekunden vor den Hanseatinnen vom HSV.

Damit hatte die sympathische angehende Medizinerin ihre Silbermedaille von Ulm vor vier Wochen nun in Dresden veredelt. Im Donaustadion rannten die Bayer-Mädels bei den U23-Meisterschaften auf Platz zwei – und Lea Wiethoff solo über 100 Meter mit 11,73 Sekunden zu einer neuen Bestzeit. Sie verzichtete auf das B-Finale zugunsten der Staffel und den 200 Metern.

Es sollte sich auszahlen. Mit 23,70 Sekunden im Vorlauf, natürlich Bestzeit, wurde sie im Finale mit 23,85 Sekunden Sechste. Die Krönung in Ulm aber war Silber mit der Staffel. „Überraschend“, so Lea Wiethoff – doch noch überraschender war der Titel an der Elbe. Ihre Stärken sieht die „Aufsteigerin des Sommers“ aber auf den 200 Meter. „Ich habe Probleme mit Start und Beschleunigung, während ich hinten raus stark bin.“ Das spricht für die halbe Stadionrunde. Da ist noch Luft nach oben.

Was bleibt von Dresden? Das Treffen mit den Größen der deutschen Sprintszene wie Gina Lückenkemper beim Warm-up – „auch wenn man da schon im Tunnel ist“ – oder bei der Siegerehrung. „Vorher wünscht man sich gegenseitig Glück“, sagt Lea, „danach beglückwünscht man sich gegenseitig.“ Lea Wiethoff ist in der großen nationalen Leichtathletikfamilie angekommen.

Natürlich gibt es für die Newcomerin auf der nationalen Bühne auch ein Leben neben dem Sport. „Das Physikum ist abgehakt“, sagt sie, „das erste klinische Semester ist absolviert und ab nächster Woche steht die Famulatur in einer Hausarztpraxis in Attendorn an.“ Ihre Ziele sind klar abgesteckt, nicht nur im Sport – wenngleich der Sport erstmal Pause hat, bevor es in die Vorbereitung auf die Hallensaison geht. Ach ja, und dann hatte sie auch mal ein Pferd. Hatte? „Wenn man mich nicht auf der Laufbahn sieht, dann im Sattel.“ Geht doch. Bei Lea Wiethoff geht vieles.


Westfalenpost, 05.08.2025

Liv Heite sorgt für ein Novum

Leichtathletik: Doppelstart einer Olperin bei der DM in der Frauenklasse gab es noch nie

Olpe/Dresden Es war ein Highlight für die Olper Leichtathletik, auch ohne Medaillen oder Top-Platzierungen. Vier junge Damen steuerten auf ihren ultimativen Saisonhöhepunkt bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften im neuen Heinz-Steyer-Stadion in Dresden hin, begleitet von Liv Heite, die letztlich für einen Doppelstart angemeldet war. „Das war lange sehr unsicher“, sagte Trainer Michael Kluge, „wir haben erst wenige Tage vor der DM die Zusage bekommen, dass Liv noch in die Meldeliste für beide Disziplinen reingerutscht ist.“

Die Zahlen in der Ergebnisliste waren den jungen Aktiven aus Olpe nicht gerade wohlgesonnen und ließen für die Staffel natürlich in keiner Weise erkennen, was dahintersteckt. „TR24.7 Übergabe des Staffelstabes vor bzw. nach dem Wechselraum“ steht in den Regularien der Internationalen Wettkampfregeln. „Ja, mit zwei misslungenen Wechseln ist natürlich keine Topzeit machbar“, sagte Michael Kluge, „der erste Wechsel von Maja Blagojevic auf Hannah Bauermann ging total daneben, und beim zweiten Wechsel von Hannah auf Maja Tröster ist Hannah aufgelaufen.“ Aber Cheftrainer Michael Kluge stellte sich auch vor seine Mädels. „Beim ersten Wechsel war der Lärm der Zuschauer so laut, dass die Mädels nichts verstanden. Dennoch werden wir das alles noch zuhause analysieren müssen.“

Und er gibt zu bedenken, dass seine Staffel ein reines U20-Quartett war, mithin die jüngste Staffel überhaupt. Die Mädels können in dieser Formation auch noch im nächsten Jahr komplett in der U20 starten. Das Potenzial, in die Top Ten zu laufen, war durchaus drin. Mit der Silbermedaille bei der U20-DM haben sie sich bereits selbst belohnt.

Für Liv Heite war schon vorher klar: Dabeisein ist alles. „Wir mussten kurzfristig noch einmal die lange Hürdenstrecke trainieren, das kam alles sehr überraschend.“ Und so ganz nebenbei hatte sie ein Novum für die Olper Leichtathletik von TV und Skiclub Olpe geschafft: nicht nur einen, sondern gleich zwei Einzelstarts in der Frauenklasse bei einer nationalen Meisterschaft.

„Es war ein tolles Gefühl“, schilderte die Alaska-Studentin, als sie vor dem Start über die kurze Hürdendistanz aus dem Callroom ins ausverkaufte Stadion geführt wurde, „ich war aufgeregt und hatte es noch immer nicht so ganz realisiert, hier laufen zu dürfen, mit den Besten aus ganz Deutschland.“ Ungewohnt natürlich vor dem Start der Blick in die Kamera, und „dann der Aufruf meines Namens, und die Anfeuerung unserer Fans aus Olpe.“ Gänsehaut pur. Mit 14,35 Sekunden blieb sie nach 100 Metern Hürden deutlich hinter ihrer Bestzeit zurück, „und das hat mich schon geärgert.“

Diesen Ärger wollte die Hürdenspezialistin über die Stadionrunde dann runterspülen. Doch nur dreißig Minuten nach ihrem ersten Auftritt im neuen Heinz-Steyer-Stadion war ihr das nicht vergönnt. „Das war ganz schön stressig“, blickt Liv Heite zurück, „im Callroom herrschte große Verwunderung, dass ich schon wieder da war. Der Zeitplan war für einen Doppelstart nicht angelegt.“ Mit 63,23 Sekunden verfehlte sie auch hier ihre Bestzeit um zwei Sekunden. „Hinter Liv liegt eine extrem lange Saison, die ja in den USA viel früher als in Deutschland beginnt“, weiß ihr Trainer um ihre großen Belastungen.

Aber diese Einmaligkeit eine Doppelstarts innerhalbe von 30 Minuten wollte sie sich nicht entgehen lassen. „Ich wollte den Lauf so gut wie möglich durchziehen,“ sagte sie, typisch Kämpferin, „einfach dranbleiben, aber hinten raus wurde es dann doch schwer. Aber ich bin einfach nur happy, es hat so viel Spaß gemacht.“ Aber was bleibt nach diesem Doppelstart? „Es war eine super Stimmung, das kann man einfach nicht vergessen“, sagt sie und setzt sich in Alaska neue Ziele. 10.343 zahlende Zuschauer, ausverkauft, dazu kommen noch jede Menge Betreuer, Aktive und weitere Helfer des Events. „Das war schon etwas ganz Besonderes“.

Vor Ort war auch die „Nostalgie-Staffel“ mit Annica Deblitz, Julia Springob, Sophia Werthenbach, Johanna Heuel und Sarah Langemann, alle mit Staffel-Medaillen in der Jugend dekoriert und viele Jahre selbst Aushängeschild der Leichtathletik im Kreis Olpe. Sie nutzten Dresden für einen „Familienausflug“ mit ihren Fans und freuten sich für ihre jungen Nachfolgerinnen, auch wenn ihnen an diesem Tag nicht alles gelang. „Wir hatten unglaublich viel Spaß“ fasste Annica Deblitz den Drei-Tage-Trip kurz zusammen.

Als gelungen ist dagegen der Auftritt in Sachsen für Lea Wiethoff zu sehen. Beim LC Attendorn wurden die Grundlagen gelegt, in Olpe ist sie zu einer tollen Athletin gereift und hat nun mit der Staffel von Bayer Leverkusen ihre Reifeprüfung bestanden: Gold und Deutsche Meisterin. Irgendwie hat der Kreis Olpe doch einen Titel mit-gewonnen (wir berichten noch).


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