Die Anfänge des Turnens - 1811 bis 1842.
Die heutige Turngeneration
ist ein Erbe der Turnbewegung, die 1811 mit der Errichtung des ersten
"öffentlichen Turnplatzes" auf der Hasenheide in Berlin
durch Friedrich Ludwig Jahn begann. Jahn - heute bringt der Turnvater
in "himmlischen Sporthallen die Engel in Handstand und Felge"
- war der Erfinder der modernen Fitnesskultur. Er brachte die Leibesübungen
aus den Schulen und den elitären Zirkeln in breite Gesellschaftsschichten.
Er hat das Turnen nicht erfunden, aber er hat dieser guten Sache Namen,
Inhalt und Richtung gegeben. Die preußische Regierung förderte
zunächst Jahns Bestrebungen. Die aktive Teilnahme vieler Turner am
politischen Leben aber beunruhigte die Männer des Wiener Kongresses.
Die alte Ordnung sollte erhalten bleiben - Forderungen nach Freiheit und
Einheit in Deutschland waren ihnen suspekt. So kam es zwischen 1820 und
1842 in Preußen zum Verbot des Turnens.
Anlässe zu politischen Kundgebungen und zur Gründung
neuer Turnvereine boten die zahlreichen Turnfahrten und Turnfeste. So
entstanden in der 40er Jahren des 19. Jahrhunderts nach Aufhebung der
Turnsperre zahlreiche Vereine auch in Westfalen.
Die Anfänge des Turnvereins Olpe.
Über die Anfänge
des Turnens in Olpe bietet die Quellenlage nur wenig. Urkundliche Nachweise
über die erste Gründung eines Turnvereins sind nicht aufzufinden.
Das "Nachrichtsblatt für Deutschlands Turnanstalten und Turngemeinden"
(15.12.1847, Nr. 24) aber berichtet über ein Schau- und Wetturnen
des Turnvereins Iserlohn im Oktober 1947, an dem der TV-Olpe laut Siegerliste
teilgenommen hatte. Ein Olper Turnkamerad Breitschuh beteiligte sich erfolgreich.
Es wurde an Reck, Barren und Pferd geturnt und Breitschuh erhielt den
11. von 12 Preisen, einen Kranz und eine Damenhandarbeit. Zu den vorgeschriebenen
Übungen am Barren zählte übrigens das Schwingen in den
Handstand, Stützeln über den Barren und der Überschlag.
Es mag also mindestens vor Oktober 1847 einen ersten Turnverein in Olpe
gegeben haben - wie sonst hätte Breitschuh an einem Wettkampf teilnehmen
können?
Am 11. März 1850 verbot das sogenannte Vereinsgesetz
die Turnvereine wegen radikaldemokra-tischer Agitation. Auch der Olper
Turnverein wird wohl diesem Gesetz zum Opfer gefallen sein. Aber mit dem
revolutionären Kampfeswillen war es wahrscheinlich bei den Olper
Turnern nicht so toll. Es gibt keine Aufzeichnungen in Polizeiakten, wie
von manch anderen damaligen westfälischen Turn-vereinen. Bisher jedenfalls
haben die Nachforschungen in den entsprechenden Archiven keine weiteren
Hinweise auf einen Olper Verein erbracht.
Die "schwarz-rot-goldene" Fahne.
In diesem Zeitzusammenhang
lohnt ein Blick auf die "älteste schwarz-rot-goldene" Fahne
in Olpe. Forck berichtet in seiner Olper Stadtgeschichte zu den revolutionären
Ereignissen, dass im Revo-lutionsjahr 1848 von der Stadtverordnetenversammlung
zur Sicherheit der Bürgerschaft und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen
Ordnung die Errichtung einer Bürgerwehr beschlossen wurde.
Neben einer schwarz-rot-goldenen Fahne für die Schützenkompanie,
die während des Festes am Hause des jeweiligen Königs aufgehängt
und auch vom König aufbewahrt werden sollte, wurde auch für
die Bürgerwehr eine solche Fahne angeschafft.
Sie befindet sich schon lange in den Händen des
Turnvereins, nach 1945 in einer Kiste auf dem Dachboden von Wolfs versteckt,
um nicht von der Alliierten Besatzungsmacht entrissen zu werden und hat
bei vielen Festumzügen zum Schmuck beigetragen. Zukünftig bleibt
die Frage nach einer umfangreichen, sinnvollen Restaurierung, um dann
vielleicht einmal im erhofften Olper Museum ihren verdienten Ruhesitz
einzunehmen. Von Februar bis November 1999 gehörte sie als Exponat
zur Ausstellung "Für Freiheit und Recht" - Westfalen und
Lippe in der Revolution 1848/49 zuerst im Iserlohner Stadtmuseum, dann
im Bielefelder Historischen Museum und abschließend im Westfälischen
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.
Neuere Erkenntnisse zur Geschichte des Turnvereins Olpe.
Nächste Erkenntnisse über einen Turnverein in Olpe liegen aus den 60er Jahren im Sauerländischen Volksblatt vor. 1862 findet sich ein engagierter Aufruf zur Bildung eines Vereins: "Allen Turnfreunden von Olpe ein ,Gut heil'! Es dürfte wohl an der Zeit sein, hierselbst die jungen Leute zur Bildung eines Turnvereins anzuregen. Wäre es nicht möglich, dass neben dem Schützen- und Gesangverein auch ein Turnverein bestünde? Ihr jungen Männer der Stadt Olpe, tretet deshalb zusammen und zeiget den auswärtigen Turnern, dass auch Ihr Sinn und Lust zum Turnen habt und etwas Tüchtiges in der Turnkunst zu leisten vermögt!"
Ein anderer Leserbriefschreiber schwärmt von seiner Freundin, der Turnkunst: "Darum schwören wir Treue dieser Freundin. Wir werden, indem wir ihr gehorchen, die höchsten Erdengüter besitzen und Heiterkeit und Genuss der Jugend und Kraft wird uns mit Wonne erfüllen." So kam es wie es kommen musste: am 01.02. 1862 wird zu einer Versammlung der hiesigen Turnfreunde im Saale des Herrn Harnischmacher freundlichst eingeladen. Der junge Verein stellte wohl auch Urkunden aus, wie die Kopie eines Diploms für das inaktive Mitglied Eduard Harnischmacher belegt. Wie schön wäre es, das Original zu finden. Ein Jahr später dokumentiert eine Anzeige vom März 1863, dass sich der Turnverein zur Bildung einer Feuerwehr trifft. Es mag einen Zusammenhang mit der Neuordnung des Löschwesens 1863 gegeben haben.
Was aus dem Verein von 1862 geworden ist, wann und warum er nicht weiter existieren konnte, bleibt leider bisher ebenfalls unbeantwortet.
Der Turnverein und die Feuerwehr.
Erst Ende der 70er Jahre hören wir erneut etwas über Turnen in Olpe. Aus den Monaten Mai bis August 1879 liegen sechs handgeschriebene Briefe der Turnvereine Meinerzhagen und Siegen vor, die sich an Olper Turner wenden und ihre Unterstützung bei der Gründung eines Olper Turnvereins anbieten. Die Vorbereitungen tragen Früchte und eine entsprechende Gründungsversammlung wurde für August 1879 einberaumt. Neben der Pflege des Turnwesens haben sich diese Gründungsväter aber auch von Anfang an der Notwendigkeit einer organisierten Feuerwehr verpflichtet gefühlt. Schließlich besaßen gerade, die durchs Turnen "gestählten" jungen Männer beste körperliche Voraussetzungen für die anstrengenden Löscharbeiten.
Die erste Versammlung 1879 war sehr stark besucht. Sogar Landrat Freusberg war anwesend und übernahm den Vorsitz. Da jedoch das Komitee kein festes, vorher durchberatenes Programm aufgestellt hatte, verlief die Versammlung ohne Resultat. Es wurde viel hin und her beraten und zuweilen prallten die verschiedenen Absichten gegeneinander. "Den Zweck hatte jedoch schließlich die Versammlung, dass aus derselben ein Turnverein ins Leben trat, der von vornherein die Bildung einer freiwilligen Turner-Feuerwehr ins Auge fasste." Über die weitere Entwicklung heißt es, dass der Vorstand des Turnvereins die nötigen Beratungen gepflogen wie auch die Erfahrungen anderer Vereine benutzend, Statuten entworfen hat und zu einer Generalversammlung im März 1880 einlud, um den Ubelstand bei entstehenden Bränden zu beseitigen.
Der erste Vorsitzende (Hauptmann) dieser so benannten "Freiwilligen Turner-Feuer-wehr" war der Bierbrauermeister Heinrich Schmelzer; sein Stellvertreter und gleichzeitig Schriftführer Anno Schulte. Und auch bei Führer, Steiger, der Spritze und den Ord-nungsmannschaften klingen lauter gute alte Olper Namen auf: Gottfried Marx, Albert Deimel, Josef Deimel, Edmund Harnischmacher und Gottfried Ruegenberg. Vierzig aktive Turner, meistenfalls rüstige Handwerker, konnte der Turnverein dem Löschwesen zur Verfügung stellen.
Unter dem Titel: "Grundgesetz des Olper Turn- und Feuerwehrvereins nebst Verhal-tensregeln für die Mitglieder der Feuerwehr" hält ein bis heute vorliegendes Heft die Turnvereinstatuten, bezeichnet als "Grundgesetz des Olper Turnvereins" (August 1879) und daran angeschlossen das "Grundgesetz der freiwilligen Turner Feuerwehr zu Olpe" (März 1880) und "Verhaltensmaßregeln für die Mitglieder der Olper Turner-Feuerwehr" fest. Über die Struktur der Feuerwehr heißt es: Sie "bildet eine selb-ständige Genossenschaft und steht unter der Leitung des Feuerwehrvorstandes", für die Mitglieder des Turnvereins regelt es: "Jedes Mitglied des Olper Turnvereins kann der Turner-Feuerwehr beitreten". Blickt man auf diese Regelung, so scheint es sich um den Bestand zweier Vereine zu handeln.
Warum aber veröffentlichen beide ihre Statuten unter einem Vereinsnamen, warum haben beide denselben Vorstand, warum zeichnet in Einladungen zum Stiftungsfest der Turner der "Turn- und Feuerwehr-Verein"? Handelt es sich vielleicht um einen Verein mit zwei Abteilungen oder Gruppierungen o. ä. - das Konstrukt wäre noch genau zu enträtseln.
1880 feierte der Turn- und Feuerwehr Verein das erste Stiftungsfest mit einem Zug durch die Stadt und anschließendem Schauturnen mit Konzert und späterem Tanz-kränzchen. Später wird über die dort erbrachten Leistungen der jungen Turner berichtet, die die Erwartungen zumindest des Reporters bei weitem übertragen. 1883
z. B. erbrachte der "Feuerwehr, Turn- und Musikverein" wie er dann in Folge der Gründung eines Musizieren hieß, zu Ehren des scheidenden Landrates Freusberg einen Fackelzug mit Musik .
Viel Sorge bereitete dem damaligen Vorstand die geringe Mitgliederzahl, die so nicht mehr ausreichte. Im Dezember 1887 gab man die Uniformen ab, brachte sie zum Rathaus und erzwang so die Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr. Versucht man den Olper "Turn- und Feuerwehr-Verein" als eine Einheit zu verstehen, mag eine Überlegung erlaubt sein: Mit Erzwingen der Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr 1887 endete eine der beiden Hauptaktivitäten und damit vielleicht gleichsam auch das Turnerleben. Die Feuerwehrtätigkeiten als freiwilliger Zusammenschluss werden schließlich 1898 wieder aufgenommen und bis heute als solche erfolgreich gepflegt.
Die neuere Entwicklung des Vereins.
Lässt sich
die Geschichte der Feuerwehr noch verfolgen, so bleibt doch die der Turnerei
arg im Dunkeln. Ein Aktenvermerk von 1894, in dem der Bürgermeister
vom Vorstand des Turnvereins um Bewilligung der Statuten ersucht wird,
wirft weitere Fragen auf.
Ist dies der Verein von 1879 oder 1880. Hat er seine Statuten neu bearbeitet
oder handelt es sich gar um eine weitere Neugründung eines Olper
Turnvereins, ähnlich wie die vom Turnverein "Frisch auf"
im Jahre 1906. An ihn erinnern nur seine Satzung und ein Mitgliederverzeichnis.
Da es zwei Jahre später zur Gründung des heutigen Turnvereins
kommt, bleibt zu vermuten, dass "Frisch auf" schnell wieder
zugrunde ging. Übereinstimmungen der Mitglieder von "Frisch
auf" und derjenigen, die sich 1908 zur Gründung des Turnvereins
trafen, lassen jedoch auf Kontinuitäten schließen - ebenso
wie solche zum "alten Verein von 1880". 1933 erinnert ein Vorstandsprotokoll
an Urkundenüberreichungen an die noch lebenden Mitglieder des Vereins
von 1880.
Das Olper Turnwesen findet also am 13. Juni 1908 in der
konstituierenden Versam-mlung einen neuen Anfang, der Geburtsstunde des
heutigen Vereins im Schwanen-saal. Von nun an kann der Forschungswillige
durchaus auf einiges Archivmaterial zurückgreifen. Die Gründungsväter,
Hans Emminger leitete den Verein im ersten Jahr - bekundeten natürlich
zunächst die Notwendigkeit eines Turnvereins in Olpe. So heißt
es im Gründungsprotokoll: "In unserer heutigen modernen Zeit,
in welcher hundert-fältige Anforderungen an Körper und Geist
gestellt werden, ist wohl nichts in der Welt so außerordentlich
wichtig als die Erhaltung unserer Nervenkraft und Widerstands-fähigkeit.
Bei vielen seien diese Eigenschaften jedoch im Schwinden begriffen. Und
die Ursache liege darin, dass sie bisher keine Turner waren."
Neben dem sportlichem Tun spielten Geselligkeit und Beiträge
der Turner zum kulturellen Leben in Olpe von Anfang an eine große
Rolle. Auf dem Schützenplatz wurden die ersten Stiftungsfeste gefeiert.
Der TV gehörte zunächst dem Siegerlandturngau
an, trat aber 1910 zum Märkischen über und schloss sich mit
den benachbarten Turnvereinen des Bigge- und Lenne-gebietes zum 10. Bezirk
zusammen.
Papa Wolf und Therese Neuhäuser.
1911 feierte die Stadt
Olpe in aufwendiger Weise ihr 650-jähriges Bestehen. Auch der Turnverein
beteiligt sich am Festzug mit einem Wagen zu Turnvater Jahn, begleitet
von einer Gruppe Zöglinge, den jüngsten Turnern. Bei den Feierlichkeiten
im Schützenzelt sollen vor allen die Mitglieder des Turnvereins durch
hervorragende turnerische Leistungen geglänzt haben. Oberpräsident
und Ehrengast, Seine Durchlaucht Prinz von Ratibor und Corvey zeigte sich
höchst interessiert und spendete uneingeschränkt Beifall.
Ein Motor und Garant all dieser Aktivitäten war und
ist bis heute die Turnfamilie Wolf, legendär ist "Papa Wolf",
wie ihn die Olper Turngemeinde nannte. Er hat die Ge-schicke als Turnwart
und während des zweiten Weltkrieges als Vorsitzender bestimmt. Seine
Tochter Leni war eine der ersten aktiven Frauen, die seit 1920 auch auf
dem Turnboden nicht zurückstehen wollten. In der Turnermode ging
man daselbst noch züchtige Wege. Und dennoch bekundeten Teile der
damaligen Olper Geistlichkeit ihr Missfallen über das unschickliche
Tun von turnenden Mädchen und Frauen.
Therese Neuhäuser, legendär wie Papa Wolf, entgegnete indirekt
den geistlichen Herren: "Unsere vielbeschäftigten Hausfrauen
finden einen passenden Ausgleich zu ihrer täglichen Arbeit an den
wöchentlichen Turnabenden für Frauen. Erfrischt an Körper
und Geist treten sie voller Lust den Heimweg an. Sie haben wieder neuen
Mut und neuen Schwung."
Christi Himmelfahrt ging und geht es bis heute hinaus zur
Wanderung in die Wälder und Fluren der Umgebung von Olpe.
Setzte sich das Turnen an Geräten wenn auch wesentlich
modifizierter bis heute fort, so kennen wir die sogenannten Freiübungen
mit Eisenstäben oder anderem als Massendarbietung heute weniger.
Turner zeigten hierin ihr Können u. a. bei Bezirksturnfesten auf
dem Schützenplatz.
In die Zeit des Aufbaus und der positiven Vereinsentwicklung
mitten in den Vorbereitungen zum Bezirksturnfest 1914 fiel der Ausbruch
des ersten Weltkrieges. Nur unter schwierigen Bedingungen konnte der Turnbetrieb
aufrecht erhalten werden, denn während des Krieges trat die militärische
Vorbereitung der Jugend in den Vordergrund. Und erst mit dem langsamen
Aufstieg im wirtschaftlichen Leben nach Kriegsende entwickelte sich auch
wieder das turnerische Leben.
Die Jahnhütte.
1924 entstand aus
den Reihen der Jugend eine Wander-, Sing-, u. Volkstanzgruppe. Treffpunkt
der jungen Leute war zunächst die sogenannte "Wolfshöhle"
im Keller des Wolfschen Hauses in der Kolpingstrasse. 1926 aber errichteten
sie am Schlamborn in der Jahnschaft Günsen die Jahnhütte. Aus
einem Brief des Vorsitzenden Dr. Hagemann erfahren wir darüber: "In
jugendlicher Unbekümmertheit zog Anton d. J. mit einigen Gleichgesinnten
los, und sie durchstreiften die Wälder um Olpe auf der Suche nach
einem passenden, d. h. einsam und schön gelegenen Fleckchen".
Ohne viel zu fragen, fingen sie den Bau der Hütte an. Der Vorsteher
der Jahnschaft Günsen schlug eines Tages Krach, weil das Grundstück
der Jahnschaft gehöre und ohne ihre Genehmigung da nichts getan werden
dürfe. Natürlich hatte der Mann Recht, und nun musste Anton
d. J. bei Papa Wolf - der auch noch sein leiblicher Vater war - beichten.
Die Günsener zeigten sich zunächst recht aufgebracht über
die Eigenmächtigkeit der "Lausejungens" . Auf gütliches
Zureden hin schloss man einen billigen Vergleich: die Jahnschaft erklärte
sich nachträglich mit der Errichtung der Hütte einverstanden,
verlangte aber eine geringe Pacht als Anerken-nungsgebühr. Diese
paar Mark wurden dann ein- oder zweimal bezahlt, und dann schlief die
Sache stillschweigend ein.
In der Jahnhütte fanden auch die ersten Krippenspiele
statt, die bis in die 70er Jahre hinein von Adolf Müller und Therese
Neuhäuser verantwortet als Waldweihnacht zur guten Traditionspflege
des Vereins gehörten.
Die Zeit der Kriege.
G ustav Erdniß führte den
Verein in der Zeit der Goldnen 20er. Es gelang sogar ein Turnerheim 1929
auf dem Gallenberg zu errichten. Darlehen der Sparkasse Olpe und des Turngaus
halfen bei der Finanzierung. Doch die Schuldenlast drückte nach dem
Weltkrieg so sehr, dass es nicht zu halten war. Die Stadt Olpe verkaufte
das Haus an Private. Im Rahmen des Bezirksturnfestes wurde die Einweihung
des Turner-Jugend-Heimes gefeiert.
Dr. Josef Hagemann war Vorsitzender von 1928 - 1938. Das
abgedruckte Hakenkreuz auf dem Satzungsblatt sowie der neu hinzugefügte
Arierparagraph verweisen auf die unglückselige Zeit des Nationalsozialismus.
Die Deutsche Turnerschaft begrüßte die nationale Erhebung freudig,
denn man sah deutliche Parallelen zwischen der letzten Vergangenheit und
den Lebzeiten Turnvater Jahns. 1933 erfolgte die Gleichschaltung der Turnerschaft,
die für den TV Olpe hieß: 1. Rücktritt des Gesamtvorstandes,
2. Durchführung des Führerprinzips und des Ariergrundsatzes,
3. Entsprechende Änderungen der Satzung. Dr. Hagemann wurde allerdings
sofort wiedergewählt. Am 9. Mai forderte er: "1. das Wehrturnen
muss zum Kernpunkt der turnerischen Arbeit werden. 2. Die Arbeit an der
Jugend ist so auszugestalten, dass die Jugend aller Vereine erfasst wird.
3. Alle Vereine haben dahin zu streben, dass sie auch das Frauenturnen
pflegen. Alle Arbeit wird sich in Zukunft in straffer militärischer
Zucht abwickeln. Disziplin und Einordnung, das sind wichtige Erfordernisse."
Die Zeit von 1938 bis heute.
P apa Wolf führte den Verein von
1938 - 1945. Die alte Turnhalle des Städtischen Gymnasiums bot lange
Zeit die einzige Übungsstätte des Turnvereins. Höhepunkte
im Leben der Turnerschaft waren und sind noch immer die großen und
etwas kleineren Begegnungsfeiern auf Bezirks-, Gau, Landes- und Bundesebene.
Hervorragenste Feste sind dabei die Deutschen Turnfeste, an denen immer
auch Turner aus Olpe teilnahmen.
In die "Regierungszeit" von Hubert Kruse (1945
-1960) fielen die großen Jubiläums-feiern 1948 und 1958 des
Vereins. Er übernahm 1945, zunächst nur für ein Jahr geplant,
den Vorsitz im Verein, da die früher bewährten Kräfte infolge
der Richtlinien der Militärregierung zunächst nicht wieder mit
führenden Ämtern betraut werden durften.
Zu all den Höhepunkten durfte ein Schauturnen ob drinnen
oder draußen nie fehlen. Neben sommerlichen Vorführungen, begeisterten
die Turner ihre Zuschauer regel-mäßig mit Darbietungen zum
Dreikönigfest zunächst im Schwanensaal, später in der Stadthalle
und heute im Advent in der Realschule. Aus finanziellen Gründen konnten
nach 1945 zunächst keine großen Veranstaltungen durchgeführt
werden. Erzählt wird, wie man dennoch versuchte, Wettkämpfe
zu veranstalten. Altersturner Karl Imhäuser lud die jungen Turner
zu einem Waldlauf in der Rhonard ein. Er stellte auch die Preise zur Verfügung
und zwar aus der Produktion seines Betriebes. Hierzu gehörten Tauchsieder
und Bügeleisen. Diesem Wettkampf gilt als "Karl-Imhäuser-Bügeleisen-Gedächtnislauf"
die entsprechende Erinnerung.
Adolf Müller lenkte als Vorsitzender die Geschicke
des Vereins von 1960 -1979. Auf zwei Höhepunkte seines Wirkens sei
hier verwiesen: Einmal der Wiederaufbau und Erhalt der Jahnhütte
Ende der 60er Jahre. Mit viel Engagement errichtete man in Eigenarbeit
den Bau. Und das Begehen des 125 Vereins-Jubiläums - wenn auch historisch
nicht ganz formvollendet. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten zählte
die Ausrichtung der 11. Deutschen Meisterschaften im Rhönrad-Turnen,
wenn auch das damit verbundene Ziel der Etablierung dieser Disziplin
im Verein nicht gelang.
Für die Zeit der 80er steht sicherlich Gerd Opitz.
Unter ihm wandelte sich das Schauturnen zum Tag des Sport. Unter dem
gleichem Zeichen "Sport für alle" sind dann auch die Einführung
der Spielfeste auf dem Freibadgelände und der Spieltreff zu benennen.
Maria Auth wurde erste Geschäftsführerin des Vereins. Ihr und
vielen anderen ist das gute Gelingen des Gauturnfestes 1983 in Olpe zu
verdanken. Von 1988 bis 1992 lenkte Wolfgang Reither die Geschicke des
Vereins, gefolgt von Karl-Friedrich Hof-meister, dem Initiator der Sportgala,
dem neuen alten Hit der 90er - denn was anderes ist sie als die vielen
Schauvorführungen mit anschließendem Tanz zuerst im Schwanensaal
und bis in die 70er Jahre hinein in der Stadthalle Olpe.
Raphaele Voß
Wenn bei Ihnen das Interesse am Turnen in Deutschland und im speziellen in Olpe gewachsen ist, möchten wir Ihnen unser Buch "150 Jahre Turntradition in Olpe" empfehlen. In liebevoller Kleinarbeit zusammengestellt von Raphaele Voß. Zu beziehen ist das Buch über unsere Geschäftsstelle.